Meinungen zur Mundart

Mundart – zeitgemäß?
Wenn ich mich zurück besinne, dann muss ich mir eingestehen, dass ich meinen heimatlichen Dialekt gesprochen habe, noch lange bevor ich Hochdeutsch „lernen“ musste. Die ersten Worte, welche mir meine Mutter mit auf den Weg gegeben hat, waren Worte im Dialekt. Fränkische Mundart, Rhöner Dialekt, das ist meine Muttersprache.

Später haben sie uns ausgelacht, in der Schule, wenn wir unseren Dialekt gesprochen haben, die Schüler, die vom Dorf kamen. Mundart ist die Sprache, welche mir in den Mund gelegt worden ist. Sie hat mich mein ganzes bisheriges Leben begleitet. Und weil ich in meiner Heimat verwurzelt bin, ist sie ein bedeutender Teil von mir geblieben.

Mundart kann man nicht lernen, Mundart muss man leben, erleben. Heute werde ich manchmal sogar beneidet für meinen heimatlichen Dialekt. Aber können wir die Mundart weiter tragen, so wie wir sie gewohnt sind zu sprechen? Schwierig. Dafür haben sich Zeit und Lebensverhältnisse einfach zu sehr verändert, zu einer Gesellschaft, welche immer mehr zusammenwächst. Deshalb sollten wir nicht jammern, wenn die regionalen Dialekte nicht mehr in dem Umfang gesprochen werden, wie wir es noch gewohnt waren. Den Franken selbst aber wird man immer wieder erkennen an seinem Zungenschlag mit dem rollenden R, dem harten oder dem weichen B.

Sprache hat sich immer verändert, so wie sich die Lebensverhältnisse eben auch verändern. Deshalb muss sich auch die Mundart verändern. Sie wird uns aber bestimmt erhalten bleiben, wenn auch in einer anderen Form. Davon bin ich ganz fest und „ned blos e ganz klee bissle“ überzeugt.
 
Manfred Zirkelbach, 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mundarttheater Franken e.V.
 

Mundart muss echt sein.

Es klingt für meine Ohren schrecklich, wenn Leute, die im so genannten wirklichen Leben Mundart sprechen, sich auf der Bühne um eine hochdeutsche Aussprache bemühen. Das geht fast immer ziemlich daneben. Genau dasselbe passiert, wenn ein professioneller Schauspieler – sonst ein Sprach- und Sprechjuwel – sich in einem ihm fremden Dialekt versucht. Es klingt peinlich.

Unsere Mundart ist ein Trumpf. Wir sprechen sie im Alltag und auf der Bühne ganz selbstverständlich. Wir müssen uns beim Sprechen nicht verbiegen und schon dadurch sind wir viel leichter in der Lage, eine Rolle natürlich zu erfassen. Das kann den Abstand zu ausgebildeten Schauspielerinnen und Schauspielern um ein wichtiges Stück verringern. Zudem ergänzen wir mit unserem Mundarttheater das kulturelle Angebot um eine Facette, die von den wunderbaren und inspirierenden großen Häusern nicht bedient werden kann.

 

Rüdiger Baumann, Autor und Darsteller aus Kulmbach

www.das-baumann.de